Tourismus: Was passiert nach dem Museumsbesuch?

Destinationen kennen ihre Übernachtungszahlen und die Besucher ihrer Attraktionen. Was dazwischen passiert – die Reisekette –, war bislang eine Leerstelle. Genau hier setzen Bewegungsdaten an.

Illustration: Wege zwischen einem Museum und weiteren touristischen Zielen

Die klassische Tourismusstatistik ist gut in dem, was sie misst: gemeldete Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben ab einer bestimmten Größe. Sie sagt aber nichts über Tagesgäste, nichts über Besuche in Ferienwohnungen unterhalb der Meldegrenze und nichts darüber, wohin Gäste sich innerhalb der Region bewegen. Wer eine Destination entwickeln will, arbeitet damit mit halb geschlossenen Augen.

Die Frage hinter der Frage

„Wie viele Besucher hatte unser Museum?" ist meist nicht die Frage, die weiterhilft – die Antwort steht ohnehin an der Kasse. Interessanter ist:

  • Wo waren die Besucher vorher, wo danach?
  • Kommen sie am selben Tag an und wieder weg, oder übernachten sie in der Region?
  • Aus welchen Regionen reisen sie an – und unterscheidet sich das nach Saison?
  • Welche Attraktionen werden kombiniert besucht, welche schließen sich aus?
  • Wie lange bleiben Gäste im Ort, nicht nur in der Einrichtung?

Diese Fragen beantworten Bewegungsdaten über Besuchsketten (Cross-Visitation) und Herkunftsverteilungen. Die zugrunde liegenden Metriken erklärt der Abschnitt Kennzahlen.

Was sich daraus ableiten lässt

Kooperationen mit Substanz. Wenn sich zeigt, dass ein erheblicher Teil der Museumsbesucher anschließend in einen bestimmten Ortsteil weiterfährt, ist das die Grundlage für gemeinsame Angebote, Beschilderung oder abgestimmte Öffnungszeiten – belegbar statt vermutet.

Verweildauer erhöhen. Wertschöpfung im Tourismus hängt weniger an der Besucherzahl als an der Aufenthaltsdauer. Wer sieht, dass Gäste im Schnitt nach neunzig Minuten wieder abreisen, weiß, welches Problem zu lösen ist.

Tages- und Übernachtungsgäste unterscheiden. Beide Gruppen verhalten sich völlig unterschiedlich – in Ausgabeverhalten, Anreisedistanz und Zielwahl. Erst die Trennung macht Marketingbudgets steuerbar.

Herkunftsmärkte bewerten. Statt Werbebudget nach Gefühl über Bundesländer zu verteilen, lässt sich prüfen, aus welchen Regionen tatsächlich Gäste kommen – und wo Potenzial liegt, das bisher nicht abgeschöpft wird.

Saisonalität und Wetterabhängigkeit. Der Verlauf über Monate zeigt, wie stark eine Destination von Schönwettertagen und Ferienzeiten abhängt – und wie wirksam Maßnahmen zur Saisonverlängerung sind.

Für DMOs besonders relevant

Destinationsmanagement-Organisationen stehen dabei vor einer doppelten Herausforderung. Erhebungen zum Digitalisierungsstand von DMOs zeigen regelmäßig: Auf Landes- und Regionsebene ist die Datenarbeit meist etabliert, auf lokaler Ebene fehlt es dagegen häufig an Personal, Budget und Datenkompetenz. Nur eine Minderheit lokaler Organisationen erfasst Bewegungs- oder Mobilitätsdaten überhaupt; strategische Entscheidungen stützen sich vielfach auf Buchungs-, Social-Media- und Websitedaten.

Daraus folgt für die Praxis: Eine Auswertung nützt nur, wenn sie jemand lesen und einordnen kann. Wir legen deshalb Wert darauf, Ergebnisse so aufzubereiten, dass sie auch in Gremien und Tourismusausschüssen tragfähig sind – inklusive der Aussage, was sie nicht belegen. Siehe dazu Grenzen der Aussagekraft.

Typische Auswertungen im Tourismus

Fragestellung Passende Kennzahl Sinnvolle Gebietsebene
Woher kommen unsere Gäste? Herkunftsverteilung, Distanzklassen Kreis- oder PLZ-Ebene
Tages- oder Übernachtungsgast? Übernachtungsanteil in der Region Destination gesamt
Was wird kombiniert besucht? Besuchsketten zwischen Hotspots Punktgenaue Geofences je Attraktion
Wie stark ist die Saison? Frequenzverlauf über Monate Ort oder Destination
Wirkt unsere Kampagne? Herkunftsanteil im Zielmarkt vorher/nachher Quellgebiet

Was Sie mitbringen sollten

Vor allem eine klare Vorstellung davon, welche Entscheidung am Ergebnis hängt. Und Geduld: Auswertungen liegen erst mit zeitlichem Versatz vor, rückwirkende Betrachtungen über zurückliegende Saisons sind dafür meist möglich. Wie ein solches Projekt abläuft, steht unter Projektablauf; verwandte Einsatzfelder finden Sie unter Hotelstandorte und Besucherlenkung.

Passen Bewegungsdaten zu Ihrer Fragestellung?

Beschreiben Sie kurz, was Sie herausfinden möchten – wir sagen Ihnen ehrlich, ob Bewegungsdaten die richtige Grundlage sind oder ob andere Daten schneller und günstiger ans Ziel führen.

  • Unabhängige Einordnung: Bewegungsdaten oder alternative Datenquellen
  • Antwort in der Regel innerhalb eines Werktags
  • Erstgespräch kostenlos – auch wenn die Fragestellung noch offen ist