Auswertungen unterscheiden sich in Aufmachung und Benennung, im Kern beruhen sie aber auf denselben Grundgrößen. Diese Übersicht ordnet sie nach der Frage, die sie beantworten.
Wie viele? – Volumen und Frequenz
| Kennzahl | Was sie aussagt | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Besuchervolumen | Zahl der Personen, die ein Gebiet in einem Zeitraum aufgesucht haben (hochgerechnet) | Frequenzvergleich zwischen Lagen, Städten und Zeiträumen |
| Frequenzverlauf | Verteilung über Tagesstunden, Wochentage, Monate | Öffnungszeiten, Personaleinsatz, Aktionsplanung |
| Tagesbevölkerung | Anwesende Personen tagsüber, im Unterschied zur Wohnbevölkerung | Standortbewertung, Gastronomie, Versorgungsplanung |
| Anteil wiederkehrender Besucher | Wie viele Personen mehrfach im Zeitraum kamen | Bindung, Stammkundschaft vs. Laufkundschaft |
Wichtig: Ob Besuche oder Besucher gezählt werden, macht einen erheblichen Unterschied. Kommt dieselbe Person fünfmal, ergibt das fünf Besuche und einen Besucher. Beide Werte sind legitim – sie müssen nur benannt sein.
Wie lange? – Aufenthalt
Die Verweildauer beschreibt, wie lange sich Personen im abgegrenzten Gebiet aufgehalten haben, meist als Median oder als Verteilung über Klassen. Sie ist eine der aussagekräftigsten Kennzahlen überhaupt, weil sie zwischen Durchgangsverkehr und echtem Aufenthalt trennt.
Ihre Interpretation hängt stark von der Mindestaufenthaltsdauer ab, die bei der Filterung gesetzt wurde. Eine hohe Schwelle erzeugt automatisch längere Durchschnittswerte.
Woher? – Herkunft und Einzugsgebiet
- Herkunftsverteilung: aus welchen Gemeinden, Kreisen oder Postleitzahlgebieten Besucher stammen – abgeleitet aus der Homezone.
- Einzugsgebiet: die räumliche Abgrenzung, aus der ein definierter Anteil der Besucher kommt (z. B. 70 % der Besucher stammen aus diesem Gebiet).
- Distanzklassen: Anteile nach Entfernung, häufig als Nahbereich, Mittelbereich und Fernbereich.
- Abschöpfungsquote: welcher Anteil der Bevölkerung eines Herkunftsgebiets den Standort tatsächlich aufgesucht hat – die Brücke zwischen Bewegungsdaten und klassischen Marktdaten.
- Tages- vs. Übernachtungsgäste: im Tourismus die Unterscheidung danach, ob innerhalb der Region auch eine Nacht verbracht wurde. Siehe Tourismus und Hotspots.
Wohin? – Ströme und Besuchsketten
Hier liegt die eigentliche Besonderheit gegenüber allen anderen Datenarten:
- Besuchsketten (Cross-Visitation): Welche weiteren Orte werden vor oder nach einem Besuch angesteuert? Das ist die Grundlage für die Frage „Was passiert nach dem Museumsbesuch?"
- Ströme zwischen Zonen: Bewegungen zwischen Parkhaus, Fußgängerzone und Center; zwischen Quartieren; zwischen Destinationen.
- Pendlerbeziehungen: regelmäßige Wege zwischen Wohn- und Arbeitsgebiet, meist auf Gemeinde- oder PLZ-Ebene.
- Überschneidungen (Affinität): Wie stark überschneiden sich die Besucher zweier Standorte? Für Wettbewerbs- und Kooperationsanalysen relevant.
Wer? – Strukturmerkmale
Manche Auswertungen ergänzen Strukturaussagen: Altersgruppen, Haushaltstypen, Kaufkraftklassen oder Zielgruppensegmente. Diese Merkmale stammen nicht aus den Bewegungsdaten selbst, sondern aus einer Verknüpfung mit Gebietsstatistik auf Ebene der Homezone. Es handelt sich also um Gebietsmerkmale, nicht um Personenmerkmale.
Das ist methodisch sauber, wird aber häufig missverstanden. Eine Aussage wie „30 % der Besucher gehören zur Zielgruppe X" bedeutet korrekt gelesen: „30 % der Besucher wohnen in Gebieten, die überdurchschnittlich von Zielgruppe X geprägt sind." Wie sich das mit anderen Daten sinnvoll verbinden lässt, steht unter Daten kombinieren.
Die drei Fragen vor jeder Kennzahl
- Besuche oder Besucher – und über welchen Zeitraum?
- Mit oder ohne Anwohner und Beschäftigte?
- Absolutwert oder Index – und wenn Index: bezogen auf was?
Ohne diese drei Angaben ist keine Kennzahl aus Bewegungsdaten vergleichbar.