Wer eine Auswertung beauftragt, bekommt am Ende eine Zahl. Wie belastbar diese Zahl ist, entscheidet sich weit vorher – bei der Frage, welches technische Signal überhaupt erfasst wurde. Vier Quellenarten sind in der Praxis relevant.
1. App-basierte Positionssignale
Die im Geomarketing am weitesten verbreitete Quelle. Zahlreiche mobile Anwendungen – Wetter-, Navigations-, Nachrichten-, Spiele- oder Fitness-Apps – bestimmen den Standort des Geräts, sofern die Nutzerin oder der Nutzer dies erlaubt hat. Diese Positionsbestimmungen werden mit Zeitstempel versehen und in aufbereiteter Form für Analysen verfügbar gemacht.
Stärken: hohe räumliche Genauigkeit (Satellitenortung, teils im Meterbereich), dadurch feine Abgrenzung einzelner Straßenabschnitte, Gebäude oder Zonen möglich. Große Zahl beteiligter Geräte.
Schwächen: Die Stichprobe ist nicht zufällig. Wer welche App nutzt und welche Berechtigungen erteilt, hängt von Alter, Technikaffinität und Betriebssystem ab. Signale fallen unregelmäßig an – ein Gerät sendet nur, wenn die App aktiv ist. Beides muss durch Gewichtung und Hochrechnung korrigiert werden.
Zu klären: Worauf stützt sich die Erhebung rechtlich? Diese Frage behandelt der Abschnitt Herkunft und Einwilligung – sie ist die wichtigste bei dieser Quellenart.
2. Daten aus Mobilfunknetzen
Mobilfunknetze wissen technisch bedingt, in welcher Funkzelle sich ein Endgerät befindet. Aus diesen Verbindungsinformationen lassen sich – stark aggregiert – Aussagen über Aufenthalte und Wege ableiten.
Stärken: sehr hohe Abdeckung, weil nahezu jedes eingeschaltete Mobiltelefon im Netz sichtbar ist. Die Stichprobe ist dadurch weniger schief als bei App-Daten. Betreiber unterliegen strengen regulatorischen Anforderungen.
Schwächen: deutlich gröbere räumliche Auflösung. Eine Funkzelle deckt je nach Bebauung mehrere hundert Meter bis Kilometer ab; einzelne Straßenabschnitte lassen sich damit nicht sauber trennen. Für innerstädtische Feinanalysen ist die Quelle daher nur eingeschränkt geeignet – für regionale Ströme, Pendlerbeziehungen und Tourismusherkunft dagegen sehr gut.
Der direkte Vergleich beider Welten steht unter Mobilfunk- oder App-Daten.
3. Stationäre Sensorik und Zählstellen
Fest installierte Zählsysteme erfassen Passanten oder Fahrzeuge an einem definierten Punkt – über Infrarot-Lichtschranken, Laserscanner, Radar, Druckplatten oder anonyme Funksignalerkennung.
Stärken: hohe Genauigkeit an genau diesem Punkt, in der Regel kontinuierlich und in kurzer zeitlicher Taktung. Ideal als Referenz und für die Kalibrierung anderer Quellen.
Schwächen: Der Sensor sieht nur seinen Ausschnitt. Über Herkunft, Verweildauer im Quartier oder Besuchsketten sagt er nichts. Aufbau und Wartung verursachen laufenden Aufwand.
4. Manuelle Zählungen und Befragungen
Der klassische Weg, und nach wie vor unverzichtbar. Zählpersonal erfasst Passanten in definierten Zeitfenstern; Befragungen liefern zusätzlich Motive, Herkunft und Zufriedenheit – also genau das, was Bewegungsdaten prinzipiell nicht liefern können.
Stärken: nachvollziehbar, methodisch etabliert, erklärt das Warum.
Schwächen: punktuell, personalintensiv, wetter- und stichtagsabhängig.
Warum die Quelle das Ergebnis mitbestimmt
Zwei Auswertungen desselben Straßenabschnitts können zu deutlich unterschiedlichen Zahlen führen, ohne dass eine davon falsch wäre – weil sie Unterschiedliches messen. Erfasst wird mal jedes Gerät im Gebiet, mal nur Aufenthalte ab einer Mindestdauer; mal werden Anwohner und Beschäftigte herausgerechnet, mal nicht. Vor jedem Vergleich – etwa zwischen zwei Städten oder zwei Jahren – muss deshalb geklärt sein, ob dieselbe Methode zugrunde liegt.
Welche Fragen Sie dazu stellen sollten, steht unter Prüfkriterien und Datenqualität.