Bewegungsdaten – auch Mobilitätsdaten oder im Fachjargon Mobile Trace Data – dokumentieren die räumliche Fortbewegung von Personen oder Objekten über einen definierten Zeitraum. Im Geomarketing bezeichnet der Begriff fast immer eine bestimmte Ausprägung: anonymisierte, aggregierte Kennzahlen darüber, wie viele Menschen sich in einem abgegrenzten Gebiet aufgehalten haben, wie lange, wann und aus welcher Region sie kamen.
Der entscheidende Punkt steckt in der Wortwahl. Die Rohdaten sind Positionssignale einzelner Geräte. Das Produkt, mit dem im Marketing gearbeitet wird, ist etwas ganz anderes: eine Statistik über Gruppen. Zwischen beidem liegt ein Verarbeitungsprozess, der Filterung, Verdichtung und Hochrechnung umfasst – beschrieben unter Von der Messung zur Kennzahl.
Abgrenzung: Was Bewegungsdaten nicht sind
Drei Verwechslungen begegnen uns regelmäßig:
- Keine Videoüberwachung. Bewegungsdaten entstehen nicht durch Kameras oder Gesichtserkennung. Es werden keine Bilder ausgewertet und keine Personen erkannt.
- Keine Echtzeitdaten. Auswertungen liegen typischerweise erst mit deutlichem zeitlichem Versatz vor – häufig mindestens ein Monat. Das ist keine technische Schwäche, sondern Teil des Datenschutzkonzepts. Mehr dazu unter Raum und Zeit.
- Keine Kundendaten. Bewegungsdaten sagen nichts darüber, wer etwas gekauft hat. Sie beschreiben Anwesenheit, nicht Transaktion.
Der Unterschied zur klassischen Frequenzzählung
Passantenzählungen gibt es seit Jahrzehnten: Zählpersonal steht an festgelegten Punkten und erfasst über definierte Zeitfenster, wie viele Menschen vorbeikommen. Das Verfahren ist transparent und gut verstanden – aber punktuell. Ein oder zwei Zähltage im Jahr liefern eine Momentaufnahme, die durch Wetter, Ferien oder eine Baustelle verzerrt sein kann.
Bewegungsdaten kehren das Verhältnis um: Statt weniger exakter Punkte liefern sie viele geschätzte. Man verliert die Sicherheit der Einzelmessung und gewinnt den Verlauf. Für Fragen nach Entwicklung, Saisonalität oder Vergleichbarkeit zwischen Städten ist das ein Qualitätssprung – für die Frage „Wie viele Menschen standen am Dienstag um 14 Uhr genau vor diesem Schaufenster?" bleibt die Zählung präziser. Beide Verfahren lassen sich gut kombinieren; wie, steht unter Passantenfrequenzen.
Welche Signale dahinterstecken
Bewegungsdaten stützen sich je nach Quelle auf unterschiedliche technische Signale: Positionsbestimmungen mobiler Anwendungen, Verbindungsdaten aus Mobilfunknetzen oder stationäre Sensorik vor Ort. Jede Quelle sieht etwas anderes und hat eigene Stärken und Verzerrungen – der Vergleich steht unter Datenquellen und ausführlicher unter Mobilfunk- oder App-Daten.
Kurz gesagt
Bewegungsdaten sind eine Stichprobe von Gerätesignalen, die zu einer Aussage über Gruppen hochgerechnet wird. Sie beantworten Fragen nach wie viele, wann, wie lange und woher – nicht Fragen nach wer oder warum.
Was daraus im Marketing wird
Aus diesem Rohmaterial entstehen Kennzahlen, die für Geomarketing und Standortarbeit direkt verwertbar sind: Besuchervolumen, Verweildauer, Wiederkehrerquote, Herkunftsverteilung und Besuchsketten zwischen Orten. Eine geordnete Übersicht dazu bietet Kennzahlen; die praktischen Einsatzfelder finden Sie unter Anwendungen.
Bevor Sie weiterlesen, ein Hinweis in eigener Sache: Die p17 GmbH erhebt keine eigenen Bewegungsdaten. Wir arbeiten als Datenmittler mit unterschiedlichen Partnern zusammen und ordnen deren Methoden ein – mehr dazu unter Über uns.