Schritt 1: Fragestellung schärfen
Am Anfang steht keine Datenfrage, sondern eine Entscheidung. Wir klären gemeinsam: Was soll entschieden werden, wer entscheidet, und welche Information würde die Entscheidung tatsächlich verändern?
Erstaunlich oft verschiebt sich in diesem Gespräch die Frage. Aus „Wir brauchen Passantenfrequenzen" wird „Wir müssen dem Ausschuss belegen, dass die Umgestaltung nicht geschadet hat" – und daraus folgt ein völlig anderer Zuschnitt: nämlich ein Vorher-Nachher-Vergleich mit Kontrollstädten statt einer Momentaufnahme.
Aufwand: ein bis zwei Gespräche.
Schritt 2: Datengrundlage festlegen
Erst jetzt geht es um Daten. Passen Bewegungsdaten überhaupt, oder führen andere Grundlagen schneller zum Ziel? Wenn Bewegungsdaten passen: Welche Quellenart – App-basiert oder aus dem Mobilfunknetz? Die Entscheidungslogik steht unter Entscheidungshilfe, der Quellenvergleich unter Mobilfunk- oder App-Daten.
An dieser Stelle prüfen wir außerdem die Prüfkriterien zur Datenherkunft. Das gehört vor die Beauftragung, nicht danach.
Aufwand: wenige Tage.
Schritt 3: Gebiet und Zeitraum definieren
Der Schritt, der am häufigsten unterschätzt wird. Festzulegen sind:
- Geofences: exakte Abgrenzung der Analysegebiete, idealerweise als Kartengrundlage oder Geometriedatei
- Vergleichsgebiete: Kontrollstandorte oder Nachbarstädte, wenn Wirkungen gezeigt werden sollen
- Zeiträume: Betrachtungs- und Vergleichszeitraum, inklusive Vorher-Zeitraum bei Maßnahmen
- Auflösung: stündlich, täglich, wöchentlich – abgestimmt auf die Gebietsgröße
- Filterregeln: Mindestaufenthaltsdauer, Umgang mit Anwohnern und Beschäftigten
Hier entscheidet sich, ob die Auswertung später aussagekräftig ist. Ein zu klein gewähltes Gebiet lässt sich nachträglich nicht reparieren. Grundlagen dazu unter Raum und Zeit.
Aufwand: eine bis zwei Wochen, abhängig von der Zahl der Gebiete.
Schritt 4: Auswertung
Der technische Teil, und der einzige, bei dem Sie warten. Die Aufbereitung erfolgt beim Datenpartner nach dem unter Von der Messung zur Kennzahl beschriebenen Verfahren.
Wichtig für die Planung: Der jüngste auswertbare Zeitraum liegt in der Regel mindestens einen Monat zurück. Wer ein laufendes Quartal betrachten möchte, muss dessen Ende abwarten plus den Versatz.
Aufwand: mehrere Wochen bis zur Lieferung.
Schritt 5: Interpretation
Der Schritt, an dem sich der Wert des Projekts entscheidet. Zahlen ohne Einordnung sind in Gremien wertlos oder – schlimmer – gefährlich, weil sie falsch gelesen werden.
Dazu gehört:
- Plausibilisierung: Passen die Werte zu bekannten Mustern und zu vorhandenen eigenen Daten?
- Kontext: Wetter, Ferien, Baustellen, Ereignisse im Betrachtungszeitraum
- Vergleich: Wie entwickelten sich Kontrollgebiete? Erst das trennt Effekt von Trend
- Verknüpfung: Was ergibt sich zusammen mit Marktdaten?
- Abgrenzung: Was belegt die Auswertung ausdrücklich nicht? Siehe Grenzen der Aussagekraft
Aufwand: ein bis zwei Wochen, meist im Dialog.
Schritt 6: Dokumentation
Wenn die Ergebnisse in ein Konzept, eine Gremienvorlage oder eine Veröffentlichung einfließen, gehört die Methodik dokumentiert: Datengrundlage, Panelgröße, Erhebungszeitraum, Gebietsabgrenzung, Filterregeln, Hochrechnungsbasis, Unsicherheit. Das schützt Sie, wenn jemand nachfragt – und das tut irgendwann jemand.
Realistischer Gesamtrahmen
Von der ersten Idee bis zum belastbaren Ergebnis vergehen typischerweise zwei bis drei Monate. Der größte Teil davon ist keine Rechenzeit, sondern Abstimmung – und genau die entscheidet über die Qualität.
Planen Sie das ein, wenn Ergebnisse zu einem Gremientermin vorliegen sollen. Wer vier Wochen vorher anfängt, bekommt entweder nichts oder etwas Unbrauchbares.
Was Sie beitragen
Am hilfreichsten sind drei Dinge: eine klar benannte Entscheidung, eine Kartengrundlage oder präzise Beschreibung der relevanten Gebiete, und der Zugang zu dem, was Sie bereits haben – eigene Zählungen, frühere Gutachten, Kassendaten. Letzteres verbessert die Interpretation erheblich und kostet nichts.
Wenn Sie ein Vorhaben besprechen möchten: Sprechen Sie uns an.