Bewegungsdaten haben zwei Auflösungen: eine räumliche und eine zeitliche. Beide lassen sich verfeinern – aber nur auf Kosten der statistischen Sicherheit. Diese Abwägung ist der wichtigste Hebel bei der Gestaltung einer Auswertung.
Der Geofence: das Analysegebiet
Grundlage jeder Auswertung ist ein Geofence – ein geografisch abgegrenzter Bereich, für den gezählt wird. Er kann frei gezeichnet werden und reicht vom einzelnen Gebäude über einen Straßenabschnitt bis zur gesamten Ferienregion.
Typische Zuschnitte in der Praxis:
- Punktbezogen: ein Ladenlokal, ein Museum, ein Hotel, ein Parkhaus
- Linear: ein Abschnitt einer Fußgängerzone, eine Einkaufsstraße zwischen zwei Querstraßen
- Flächig: ein Quartier, eine Innenstadt, ein Gewerbegebiet, ein Ortsteil
- Administrativ: Gemeinde, Kreis, Postleitzahlgebiet – vor allem für Herkunfts- und Pendlerauswertungen
Beim Zuschnitt gilt: Der Geofence sollte dem entsprechen, worüber Sie eine Aussage treffen wollen – aber groß genug sein, dass genug Fälle hineinfallen. Ein sehr kleiner Geofence liefert kleine Fallzahlen, und kleine Fallzahlen liefern instabile Werte. Zusätzlich spielt die Genauigkeit der zugrunde liegenden Datenquelle hinein: Aus Mobilfunknetzdaten lässt sich kein einzelner Straßenabschnitt sauber abgrenzen.
Gebietsebenen bei Herkunftsauswertungen
Bei der Frage, woher Besucher kommen, gelten andere Regeln als beim Analysegebiet. Die Herkunft wird bewusst grob ausgewiesen – üblicherweise auf Ebene von Gemeinden, Kreisen oder Postleitzahlgebieten. Das ist kein technisches Limit, sondern Absicht: Je feiner die Herkunft, desto eher ließe sich auf Einzelne zurückschließen. Aus demselben Grund werden Gebiete mit sehr wenigen Fällen zusammengefasst oder gar nicht ausgewiesen.
Zeitliche Auflösung
Die zeitliche Gliederung folgt derselben Logik:
| Ebene | Wofür geeignet | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Stundenwerte | Tagesverläufe, Öffnungszeiten, Personaleinsatz | größere Gebiete oder lange Zeiträume |
| Tageswerte | Wochenverläufe, Wochenendeffekte, Aktionstage | Standardfall bei mittleren Gebieten |
| Wochen-/Monatswerte | Saisonalität, Vorjahresvergleich, Trendbetrachtung | auch für kleine Gebiete belastbar |
| Jahreswerte | langfristige Entwicklung, Benchmark | unkritisch |
Faustregel: Je feiner die räumliche Auflösung, desto gröber muss die zeitliche sein – und umgekehrt. Wer Stundenwerte für einen einzelnen Hauseingang verlangt, bekommt Zahlen, die vor allem Zufallsschwankung abbilden.
Historie und Aktualität
Zwei Punkte werden regelmäßig unterschätzt:
Rückwirkende Betrachtungen sind möglich. Je nach Quelle lassen sich Zeiträume von zwei bis drei Jahren rückwirkend auswerten. Das ist wertvoll, weil sich damit Wirkungen belegen lassen, an die im Vorfeld niemand gedacht hat – die Folgen einer Baustelle, eines Umbaus, einer geänderten Parkregelung oder eines Großereignisses.
Aktuelle Daten gibt es nicht. Zwischen dem Beobachtungszeitraum und der Auswertung liegt in aller Regel mindestens ein Monat. Für Planung und Bewertung ist das unproblematisch; für operative Steuerung „am Wochenende" sind Bewegungsdaten die falsche Grundlage. Wer Echtzeitwerte braucht, kommt an stationärer Sensorik nicht vorbei.
Praktische Konsequenz
Definieren Sie Gebiet und Zeitraum gemeinsam mit der Fragestellung, nicht danach. Ein häufiger Fehler: Es wird ein sehr kleiner Geofence gewählt, weil er dem eigenen Objekt entspricht – und anschließend über schwankende Zahlen gerätselt, die schlicht zu geringe Fallzahlen haben. Wie man das im Vorfeld vermeidet, beschreibt der Projektablauf.